(zu alt für eine Antwort)
doppelte Selbstständigkeit
Sascha Hendrik
2005-12-07 20:42:14 UTC
Hallo,

ich bin bereits seit mehreren Jahren mit zwei Partnern mit einem
Ingenieurbüro selbstständig.

Nun habe ich eine Idee zu einem neuen Produkt und stelle mir das Ganze
so vor:
Ich habe mir dieses Produkt auf dem Papier soweit ausgetüftelt, das ich
einigermassen sicher bin es zum Funktionieren zu bekommen. Nun möchte
ich gerne einen Funktionsprototypen herstellen um dies zu Bestätigen und
um herauszufinden, ob es zu einem vernünftigen Preis herstellbar ist.
Ich brauche dafür geschätzte Euro 3000,- für Maschinen und ca. Euro
1500,- für Material. Bis zur Fertigstellung brauche ich etwa 1/2 bis 1
Jahr, da mein normaler Job natürlich voll weitergeht.
Ich möchte gerne eine zweite Firma eröffnen, auf die ich dann die
Maschinen und das Material einkaufen kann.

Nun die Fragen:
Was passiert, wenn ich nach einem jahr merke, das das mit dem neuen
Produkt nichts wird (zu teuer, funktioniert nicht,...)?
Ich werde dann die Firma ja wieder dicht machen, ohne jemals versucht zu
haben auch etwas zu verkaufen, meckert bei so etwas das Finanzamt ?
Ich möchte die dann angefallenen negativen Betriebergebnis natürlich von
meiner Steuer absetzen, geht das ?
Was passiert mit den Maschinen, die ja noch einen gewissen Restwert
darstellen ?

Hat jemand von euch Erfahrung mit einer zweiten Firma, speziell dann
wenn man erst mal gar keine Absicht hat damit Gewinne zu erzielen ?

Für Kommentare/Meinungen/Erfahrungen wäre ich sehr dankbar.
Gruß
Sascha
Andreas Ruetten
2005-12-07 21:36:01 UTC
Post by Sascha Hendrik
Hallo,
Maschinen und das Material einkaufen kann.
Was passiert, wenn ich nach einem jahr merke, das das mit dem neuen
Produkt nichts wird (zu teuer, funktioniert nicht,...)?
Ich werde dann die Firma ja wieder dicht machen, ohne jemals versucht zu
haben auch etwas zu verkaufen, meckert bei so etwas das Finanzamt ?
Das es Anlaufverluste gibt, und auch "Totalverluste" gibt ist doch
normal....
Post by Sascha Hendrik
Ich möchte die dann angefallenen negativen Betriebergebnis natürlich von
meiner Steuer absetzen, geht das ?
Was passiert mit den Maschinen, die ja noch einen gewissen Restwert
darstellen ?
Die sind doch dann Betriebsvermögen....
Post by Sascha Hendrik
Hat jemand von euch Erfahrung mit einer zweiten Firma, speziell dann
wenn man erst mal gar keine Absicht hat damit Gewinne zu erzielen ?
Das ist ganz sicher ein KO Kriterium....
Das wichtigste ist die Gewinnabsicht, ansonsten wird es als Liebhaberei
abgeschmettert.
Post by Sascha Hendrik
Für Kommentare/Meinungen/Erfahrungen wäre ich sehr dankbar.
Gruß
Sascha
Sascha Hendrik
2005-12-07 21:41:40 UTC
Post by Andreas Ruetten
Post by Sascha Hendrik
Hat jemand von euch Erfahrung mit einer zweiten Firma, speziell dann
wenn man erst mal gar keine Absicht hat damit Gewinne zu erzielen ?
Das ist ganz sicher ein KO Kriterium....
Das wichtigste ist die Gewinnabsicht, ansonsten wird es als Liebhaberei
abgeschmettert.
OK, das war schlecht formuliert. Natürlich habe ich eine
Gewinnerzielungsabsicht, aber halt sicherlich nicht im ersten Jahr,
vielleicht ganz langsam ab dem zweiten.
Gruß
Sascha
Hans-Peter Popowski
2005-12-07 23:13:29 UTC
"Andreas Ruetten" schrieb im Newsbeitrag news:3dd15$439755c1$508d9016$***@news1.surfino.com...

Hallo Andreas,
Post by Andreas Ruetten
Post by Sascha Hendrik
Maschinen und das Material einkaufen kann.
Was passiert, wenn ich nach einem jahr merke, das das mit dem neuen
Produkt nichts wird (zu teuer, funktioniert nicht,...)?
Ich werde dann die Firma ja wieder dicht machen, ohne jemals versucht zu
haben auch etwas zu verkaufen, meckert bei so etwas das Finanzamt ?
Das es Anlaufverluste gibt, und auch "Totalverluste" gibt ist doch
normal....
ja, mehr oder weniger, zumindest öfters als man annehmen möchte.
Aber Liebhaberei ist von vielen Aspekten abhängig, ein paar wesentliche
s.u..
Post by Andreas Ruetten
Post by Sascha Hendrik
Ich möchte die dann angefallenen negativen Betriebergebnis natürlich von
meiner Steuer absetzen, geht das ?
Was passiert mit den Maschinen, die ja noch einen gewissen Restwert
darstellen ?
Die sind doch dann Betriebsvermögen....
Genauer --> Anlagevermögen.
Denn auch ein EÜR hat Anlagevermögen.
Post by Andreas Ruetten
Post by Sascha Hendrik
Hat jemand von euch Erfahrung mit einer zweiten Firma, speziell dann
wenn man erst mal gar keine Absicht hat damit Gewinne zu erzielen ?
Das ist ganz sicher ein KO Kriterium....
Das wichtigste ist die Gewinnabsicht, ansonsten wird es als Liebhaberei
abgeschmettert.
Warum sollte es für den Fall, so wie ihn Sascha geschildert hat?
Die Gewinnerzielungsabsicht hat er doch, wenn er dann für sein Produkt
keinen Investor oder Produzenten findet, hat doch nichts mit fehlender
Gewinnerzielungsabsicht zu tun.
Und wer bestimmte Rechtsfolgen gelten machen will, hat für das Vorliegen
oder Fehlen der Gewinnerzielungsabsicht die objektive Feststellungslast zu
tragen. Will also der Stpfl. Verluste zum stl. Abzug bringen, trägt er die
Feststellungslast für das Vorliegen seiner Gewinnerzielungsabsicht, also
sollte er von Anbeginn alles ordentlich dokumentieren. Will das FA z. B.
bestimmte Einkünfte zur ESt heranziehen, die der Stpfl. als Einkünfte aus
Liebhaberei qualifiziert, liegt die Feststellungslast beim FA.

Ein Betrieb kann von Beginn an als Liebhaberei qualifiziert werden, wenn
*eindeutig* feststeht, dass er, so wie er vom Stpfl. betrieben wurde, von
vornherein nicht in der Lage war, nachhaltige Gewinne zu erzielen; in einem
solchen Fall werden schon die Anlaufverluste als nabz. behandelt.
D.h. er muss immer wie ein gewissenhafter ordentlicher Kaufmann handeln,
also er muss entsprechende Maßnahmen einleiten, die voraussehbare Miseren
abwenden oder zumindest höchstmöglich mindern.
Beweisanzeichen für das Vorliegen einer Gewinnerzielungsabsicht ist eine
Betriebsführung, bei der der Betrieb nach seiner Wesensart und der Art
seiner Bewirtschaftung auf Dauer dazu bestimmt und geeignet ist, mit Gewinn
zu arbeiten. Dies erfordert eine in die Zukunft gerichtete langfristige
Beurteilung: Hierfür können die Verhältnisse bereits abgelaufener Zeiträume
wichtige Anhaltspunkte bieten, womit wir wieder bei der lückenlosen
Dokumentation wären, die u.U. ausschlaggebend für die Beurteilung ist.
Und bei neugegründeten Gewerbebetrieben spricht der "prima Facie Beweis"
grds. für eine Gewinnerzielungsabsicht, es sei denn, der Betrieb ist nach
der Lebenserfahrung typischerweise dazu bestimmt und geeignet, der
persönlichen Neigung des Stpfl. zu dienen. Gleichwohl kann Liebhaberei auch
bei diesen Tätigkeiten vorliegen, die typischerweise nicht allein auf die
Befriedigung persönlicher Neigungen abstellen.

Besonders lange Anlaufverluste (13 Jahre) sprechen bei Erfindern nicht gegen
eine Einkünfteerzielungsabsicht (BFH 14. 3. 85 BStBl 1985 II 424).

Bei Erfindern liegt Liebhaberei vor, sobald sie die Aussichtslosigkeit ihrer
Tätigkeit erkennen und die Arbeit dennoch fortsetzen, womit wir wieder beim
ordentlichen und gewissenhaften Kaufmann wären.
Es muss im Einzelfall an Hand "objektiver" Umstände auf das Fehlen dieser
Absicht geschlossen werden können. Dabei sind die Besonderheiten des
konkreten Falles zu berücksichtigen. Das gilt vor allem für die mit der
Erfindertätigkeit verbundenen wirtschaftlichen Unwägbarkeiten.
Beweisanzeichen können sich aber ergeben aus den für die wirtschaftliche
Nutzung der Erfindung maßgebenden Marktverhältnissen, aus der Frage also, ob
die angestrebte Erfindung überhaupt genügend Interessenten finden wird.
Aber nicht nur "objektive" Umstände sind für die Beurteilung von Liebhaberei
maßgebend sondern auch die "subjektive" Betrachtungsweise, also die
Vorstellungen des Stpfl. wenn er wie ein ordentlicher und gewissenhafter
Kaufmann denkt und handelt; Dummheit schützt vor Strafe nicht und sich
notwendigem Wissen verweigern ist auch Dummheit.

Mit freundlichen Grüßen
Hans-Peter
Hans-Peter Popowski
2005-12-07 23:33:48 UTC
"Sascha Hendrik" schrieb im Newsbeitrag news:dn7hf6$klc$***@newsreader3.netcologne.de...

Hallo Sascha,

[Sachverhalt]
Post by Sascha Hendrik
Ich möchte gerne eine zweite Firma eröffnen, auf die ich dann die
Maschinen und das Material einkaufen kann.
warum nicht, wenn Aussichten auf Erfolg bestehen.
Wichtig wäre die entsprechende Dokumentation.
Post by Sascha Hendrik
Was passiert, wenn ich nach einem jahr merke, das das mit dem neuen
Produkt nichts wird (zu teuer, funktioniert nicht,...)?
Was soll da groß passieren, außer, dass Du Geld und Arbeitszeit investiert
hast?
Post by Sascha Hendrik
Ich werde dann die Firma ja wieder dicht machen, ohne jemals versucht zu
haben auch etwas zu verkaufen, meckert bei so etwas das Finanzamt ?
Je nach dem, ob Dir das FA fehlende Gewinnerzielungsabsicht unterstellen
kann oder nicht, deswegen der Hinweis zur Dokumentation (s.o.). _Du_ musst
die Unterstellung des FAs widerlegen.
Das wäre hinsichtlich der ESt, für die USt gilt dies nicht, denn da wird nur
die "Einnahmeerzielungsabsicht" gefordert, das heißt grundsätzlich bestraft
das UStG den "erfolglosen" UN nicht (Ausnahme § 15 a UStG).
Post by Sascha Hendrik
Ich möchte die dann angefallenen negativen Betriebergebnis natürlich von
meiner Steuer absetzen, geht das ?
Nein, Du kannst nur Dein zu versteuerndes Einkommen mindern und musst dann
entsprechend der Minderung weniger Steuern zahlen.
Stichwort: Horizontaler Verlustausgleich.
R 3 (2) EStR Summe der Einkünfte
(2) 1Die Summe der Einkünfte nach § 2 Abs. 3 EStG ist grundsätzlich positiv
oder mindestens 0 Euro. 2Erzielt ein Steuerpflichtiger nur Einkünfte aus
einer Einkunftsart und ist deren Summe negativ, ist auch die Summe der
Einkünfte negativ, da in diesen Fällen die Summe der Einkünfte aus dieser
Einkunftsart (§ 2 Abs. 3 EStG) mit der Summe der Einkünfte übereinstimmt und
es auf die weiteren Berechnungsschritte in § 2 Abs. 3 EStG nicht ankommt.
3Ist die Summe der positiven Einkünfte nicht größer als 51.500 Euro und ist
die Summe der negativen Einkünfte höher als die Summe der positven
Einkünfte, greifen die weiteren Verlustverrechnungsschritte des § 2 Abs. 3
EStG nicht ein mit der Folge, dass eine negative Summe der Einkünfte
vorliegt.
<g>
Post by Sascha Hendrik
Was passiert mit den Maschinen, die ja noch einen gewissen Restwert
darstellen ?
Der Veräußerungserlös oder u.U. der Entnahmeerlös gehört zum Aufgabegewinn
(Aufgabebilanz).
Post by Sascha Hendrik
Hat jemand von euch Erfahrung mit einer zweiten Firma, speziell dann
wenn man erst mal gar keine Absicht hat damit Gewinne zu erzielen ?
Erstmal ist nicht relevant, es gilt ent oder weder. Und wieviele Unternehmen
Du gründest spielt keine Rolle, es gibt theoretisch keine Begrenzung, die
praktische Grenze im Rahmen Deiner Möglichkeiten setzt nur Du allein.
Post by Sascha Hendrik
Für Kommentare/Meinungen/Erfahrungen wäre ich sehr dankbar.
Ja, unterlass bitte das Plenken.

Mit freundlichen Grüßen
Hans-Peter
Heinrich Butschal
2005-12-08 05:33:10 UTC
Sascha Hendrik schrieb:
...
Post by Sascha Hendrik
Hat jemand von euch Erfahrung mit einer zweiten Firma, speziell dann
wenn man erst mal gar keine Absicht hat damit Gewinne zu erzielen ?
"Erst mal" ist falsch. Das ganze soll ja später Gewinne einbringen.

Mit freundlichem Gruß,
Heinrich Butschal
--
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Pedro Hermundurius
2005-12-08 08:57:29 UTC
Post by Sascha Hendrik
Natürlich habe ich eine
Gewinnerzielungsabsicht, aber halt sicherlich nicht im ersten Jahr,
vielleicht ganz langsam ab dem zweiten.
Gute, stinknormale Betriebsplanung. Im ersten Jahr Gewinn zu
haben, steht in den seltensten Plänen ;-)

Ergo: Mach Dir keine Birne, Gewinnerzielungsabsicht vorhanden.
--
Menschensohn, du wohnst inmitten eines widerspenstigen Geschlechts,
das Augen hat zu sehen und doch nicht sieht und Ohren hat
zu hören und doch nicht hört.
(Hesekiel)
Matthias Kryn
2005-12-08 09:25:09 UTC
Post by Sascha Hendrik
Hat jemand von euch Erfahrung mit einer zweiten Firma,
speziell dann wenn man erst mal gar keine Absicht hat damit
Gewinne zu erzielen ?
So, wie Du es schilderst, hast Du sehr wohl die Absicht, Gewinne
zu erzielen, Du bist nur realistisch genug zu erkennen, dass es
nicht von Anfang an so sein wird.

Grüße
Matthias
Sascha Hendrik
2005-12-08 21:15:23 UTC
Hallo Hans-Peter,

erst mal vielen Dank für deine sehr detaillierte und hilfreiche Antwort,
aber mir als Elektroingenieur verknoten sich bei diesen steuerlichen
Beschreibungen die Gehirnwindungen. :-)
... also sollte er von Anbeginn alles ordentlich dokumentieren.
Was bedeutet das in der Praxis? Wie beschrieben werde ich ja maximal 3-4
Einkäufe tätigen (Maschinen und Material) und danach wird nach außen
erst mal ca 1 Jahr gar nichts passieren. Wenn ich also Ende 2006 meine
EkSt-Erklärung mache wird die Einnahmen-Überschußrechnung vermutlich auf
einem halben Blatt Papier Platz haben (oder auf dem berühmten Bierdeckel
von Hr. Merz)

Um bei der Praxis bleiben:
Nehmen wir weiter an, in 2007 merke ich dann, das die Geschichte nicht
funktioniert, also schließe ich die Firma wieder.
Die Maschinen würde ich wieder verkaufen und den Erlös als Einnahmen
verbuchen.
Unterm Strich bleiben dann als Verluste das Material, die anteilige
Abschreibung der Maschinen, sowie die zu erwartende Differenz zum
Verkaufserlös der gebrauchten Maschinen.

Wenn das FA dann Liebhaberei unterstellt, kann ich höchstens noch ein
Paar Fotos vom nicht funktionierenden Prototypen zeigen und hoffen das
das dann vom Sachbearbeiter geglaubt wird.

Sehe ich das so in etwa richtig?
Gruß
Sascha
Matthias Kryn
2005-12-08 21:28:49 UTC
Post by Sascha Hendrik
Wenn das FA dann Liebhaberei unterstellt, kann ich höchstens
noch ein Paar Fotos vom nicht funktionierenden Prototypen
zeigen und hoffen das das dann vom Sachbearbeiter geglaubt
wird.
Da ist IMVHO nichts zu hoffen. Die Gewinnerzielungsabsicht hast
Du mit dem Foto glaubhaft glaubhaft gemacht.

Grüße
Matthias
Wolfgang Scheinecker
2005-12-08 22:01:41 UTC
Post by Sascha Hendrik
ich bin bereits seit mehreren Jahren mit zwei Partnern mit einem
Ingenieurbüro selbstständig.
Firma oder nicht Firma, das ist hier die Frage. Wie z.B. GmbH oder aber
doch nur GbR.

Freiberuflich oder etwa doch gewerblich taetig?
Post by Sascha Hendrik
Ich möchte gerne eine zweite Firma eröffnen, auf die ich dann die
Maschinen und das Material einkaufen kann.
Also willst Du evtl. mit 25000,- EUR eine GmbH gruenden, um 3000,- EUR
fuer Maschinen auszugeben usw. ... oder vielleicht doch nur e.K.?

Ich habe den _Verdacht_, dass Du den Begriff "Firma" nicht korrekt
benuetzt.

Herstellung eines Produktes faellt auch eher in den gewerblichen
Bereich, insofern waere zu ueberpruefen, ob Deine evtl. freiberufliche
Taetigkeit damit vereinbar waere (hinsichtlich Anerkennung durch FA)
zumindest nach Abschluss der Produktentwicklung.

Gruss,

Wolfgang
Sascha Hendrik
2005-12-09 16:37:58 UTC
Post by Wolfgang Scheinecker
Firma oder nicht Firma, das ist hier die Frage. Wie z.B. GmbH oder aber
doch nur GbR.
Was heißt denn "nur Gbr"?
Wir sind als Ingenieurbüro freiberuflich tätig und das als Gbr. Bisher
haben wir damit nur gute Erfahrungen gemacht und für unsere Kunden ist
diese Rechtsform auch verlässlicher als die GmbH (was sich ja schon aus
dem bH ergibt)!
Post by Wolfgang Scheinecker
Also willst Du evtl. mit 25000,- EUR eine GmbH gruenden, um 3000,- EUR
fuer Maschinen auszugeben usw. ... oder vielleicht doch nur e.K.?
Als GmbH würde das wohl wenig Sinn machen, ich will einfach ein Gewerbe
anmelden und loslegen. Dinge wie Vorsteuerabzug und ähnliches werde ich
mir auch nicht ans Bein binden, solange ich es verhindern kann.
Post by Wolfgang Scheinecker
Herstellung eines Produktes faellt auch eher in den gewerblichen
Bereich, insofern waere zu ueberpruefen, ob Deine evtl. freiberufliche
Taetigkeit damit vereinbar waere (hinsichtlich Anerkennung durch FA)
zumindest nach Abschluss der Produktentwicklung.
Welche Bedenken hast du denn an der Stelle? Schließt sich eine
freiberufliche und eine gewerbliche Tätigkeit gegenseitig aus?

Gruß
Sascha
Hans-Peter Popowski
2005-12-09 19:13:30 UTC
"Sascha Hendrik" schrieb im Newsbeitrag news:dncbt6$sju$***@newsreader3.netcologne.de...

Hallo Sascha,
Post by Sascha Hendrik
Post by Wolfgang Scheinecker
Firma oder nicht Firma, das ist hier die Frage. Wie z.B. GmbH oder aber
doch nur GbR.
Was heißt denn "nur Gbr"?
Wir sind als Ingenieurbüro freiberuflich tätig und das als Gbr. Bisher
haben wir damit nur gute Erfahrungen gemacht und für unsere Kunden ist
diese Rechtsform auch verlässlicher als die GmbH (was sich ja schon aus
dem bH ergibt)!
und warum nicht als Partnerschaftsgesellschaft, wenn ihr doch alle
Freiberufler seid?
Post by Sascha Hendrik
Post by Wolfgang Scheinecker
Also willst Du evtl. mit 25000,- EUR eine GmbH gruenden, um 3000,- EUR
fuer Maschinen auszugeben usw. ... oder vielleicht doch nur e.K.?
Als GmbH würde das wohl wenig Sinn machen, ich will einfach ein Gewerbe
anmelden und loslegen. Dinge wie Vorsteuerabzug und ähnliches werde ich
mir auch nicht ans Bein binden, solange ich es verhindern kann.
Und warum? Was spricht dagegen?
Post by Sascha Hendrik
Post by Wolfgang Scheinecker
Herstellung eines Produktes faellt auch eher in den gewerblichen
Bereich, insofern waere zu ueberpruefen, ob Deine evtl. freiberufliche
Taetigkeit damit vereinbar waere (hinsichtlich Anerkennung durch FA)
zumindest nach Abschluss der Produktentwicklung.
Welche Bedenken hast du denn an der Stelle? Schließt sich eine
freiberufliche und eine gewerbliche Tätigkeit gegenseitig aus?
Kommt eben auf den Einzelfall an, aber was Du bisher geschrieben hast wird
es wohl keine Probleme geben, außer Du würdest die Buchführungen vermischen.

Mit freundlichen Grüßen
Hans-Peter
Hans-Peter Popowski
2005-12-09 21:24:27 UTC
"Sascha Hendrik" schrieb im Newsbeitrag news:dna7pb$eg0$***@newsreader3.netcologne.de...

Hallo Sascha,
Post by Sascha Hendrik
erst mal vielen Dank für deine sehr detaillierte und hilfreiche Antwort,
aber mir als Elektroingenieur verknoten sich bei diesen steuerlichen
Beschreibungen die Gehirnwindungen. :-)
hmm, wo Du doch einen Schaltplan lesen kannst. Naja, da kann man ja den
Verzweigungen und Abhängigkeiten einfach folgen, im Steuerrecht muss man
sich dies Verknüpfungen eben wirrtuell vorstellen.
Eigenes Nachdenken hat's nicht gebracht? ;-))
Post by Sascha Hendrik
... also sollte er von Anbeginn alles ordentlich dokumentieren.
Was bedeutet das in der Praxis? Wie beschrieben werde ich ja maximal 3-4
Einkäufe tätigen (Maschinen und Material) und danach wird nach außen
erst mal ca 1 Jahr gar nichts passieren. Wenn ich also Ende 2006 meine
EkSt-Erklärung mache wird die Einnahmen-Überschußrechnung vermutlich auf
einem halben Blatt Papier Platz haben (oder auf dem berühmten Bierdeckel
von Hr. Merz)
Mit dokumentieren meinte ich Deine Handlungen aus kaufmännischer Sicht, wie
z.B. Verhandlungen, Anbahnungsgespräche mit potentiellen Geschäftspartnern
und/oder Interessenten für Deine "Erfindung", evtl. irgendwelche Tests
usw.usf..
Post by Sascha Hendrik
Nehmen wir weiter an, in 2007 merke ich dann, das die Geschichte nicht
funktioniert, also schließe ich die Firma wieder.
Die Maschinen würde ich wieder verkaufen und den Erlös als Einnahmen
verbuchen.
Die stille Reserve. D.h. Erlös minus Restbuchwert.
Post by Sascha Hendrik
Unterm Strich bleiben dann als Verluste das Material, die anteilige
Abschreibung der Maschinen, sowie die zu erwartende Differenz zum
Verkaufserlös der gebrauchten Maschinen.
Hmm, etwas verquer.
Material, ja. Anteilige Afa bis zur Betriebseinstellung auch. Zum Verkauf
s.o., bei Entnahme ins Privatvermögen gilt der Teilwert des Anlagevermögens.
Post by Sascha Hendrik
Wenn das FA dann Liebhaberei unterstellt, kann ich höchstens noch ein
Paar Fotos vom nicht funktionierenden Prototypen zeigen und hoffen das
das dann vom Sachbearbeiter geglaubt wird.
Siehe Dokumentation, auch der Werdegang, also Fotos oder andere Unterlagen
(Konstruktionszeichnungen, Tests u.a.) gehören dazu.
Post by Sascha Hendrik
Sehe ich das so in etwa richtig?
Kommt darauf an, wohin Du schaust. ;-))

Mit freundlichen Grüßen
Hans-Peter
Wolfgang Scheinecker
2005-12-10 15:52:48 UTC
Post by Sascha Hendrik
Post by Wolfgang Scheinecker
Firma oder nicht Firma, das ist hier die Frage. Wie z.B. GmbH oder aber
doch nur GbR.
Was heißt denn "nur Gbr"?
Hallo Sascha,

Weil Du den Begriff Firma benuetztest. Eine solche ist im
Handelsregister eingetragen. Eine Gbr nicht. Deshalb ist sie auch keine
Firma. (Allenfalls umgangssprachlich).
Post by Sascha Hendrik
Wir sind als Ingenieurbüro freiberuflich tätig und das als Gbr. Bisher
haben wir damit nur gute Erfahrungen gemacht und für unsere Kunden ist
diese Rechtsform auch verlässlicher als die GmbH (was sich ja schon aus
dem bH ergibt)!
Hat aber IMHO den gravierenden Nachteil, dass jeder fuer jeden mit
seinem gesamten Privatvermoegen gegenueber Euren Kunden haftet.
Post by Sascha Hendrik
Als GmbH würde das wohl wenig Sinn machen, ich will einfach ein Gewerbe
anmelden und loslegen.
Gewerbe anmelden ist richtig, wenn Du etwas produzieren willst.
Post by Sascha Hendrik
Dinge wie Vorsteuerabzug und ähnliches werde ich
mir auch nicht ans Bein binden, solange ich es verhindern kann.
Kleinunternehmeregelung? Nur private Kunden?
Post by Sascha Hendrik
Post by Wolfgang Scheinecker
Herstellung eines Produktes faellt auch eher in den gewerblichen
Bereich, insofern waere zu ueberpruefen, ob Deine evtl. freiberufliche
Taetigkeit damit vereinbar waere (hinsichtlich Anerkennung durch FA)
zumindest nach Abschluss der Produktentwicklung.
Welche Bedenken hast du denn an der Stelle? Schließt sich eine
freiberufliche und eine gewerbliche Tätigkeit gegenseitig aus?
Schliesst sich nicht aus, jedoch kann die gewerbliche Taetigkeit Deinen
Freiberufler-Status gefaehrden. -> Gewerbesteuer

Daher (nicht nur) buchhalterisch die Taetigkeiten strickt trennen. Zur
Einkommensteuererklaerung die entsprechenden Anlagen abgeben.

Gruss,

Wolfgang
Sascha Hendrik
2005-12-11 16:10:20 UTC
Hallo,

erst mal vielen Dank für die hilfreichen Hinweise und Ratschläge.
Ich habe mich jetzt durchgerungen, zum 1.1. ein Gewerbe anzumelden und
genehmige mir 1 Jahr um den Prototypen zu Erstellen und die
Wirtschaftlichkeit meine Idee zu Prüfen.

Es stellt sich mir jetzt noch die Frage, ob ich als Kleinunternehmer
arbeite und auf den Vorsteuerabzug verzichte, oder ob es sich lohnt den
Mehraufwand zu betreiben (Bei 5000 Euro Anfangsinvestition stecken hier
immerhin schon 800 Euro Mehrwertsteuer drin).
Mir ist der praktische Ablauf nicht ganz klar, da ich IMO dann
monatliche Umsatzsteuervoranmeldungen ans FA geben muß (die bei mir ja
immer erst mal 0 Euro sein werden). Macht man so etwas per Software,
schickt man einen Brief, ruft man da an, ...?
Die eigentliche Einnahmen-Überschußrechnung am Jahresende dürfte kein
Problem werden, so das ich auf Steuerberater/Buchhalter gerne verzichten
möchte um nicht unnötige Kosten zu produzieren.

Grüße
Sascha
Lutz Schulze
2005-12-11 18:34:15 UTC
Post by Sascha Hendrik
Es stellt sich mir jetzt noch die Frage, ob ich als Kleinunternehmer
arbeite und auf den Vorsteuerabzug verzichte, oder ob es sich lohnt den
Mehraufwand zu betreiben (Bei 5000 Euro Anfangsinvestition stecken hier
immerhin schon 800 Euro Mehrwertsteuer drin).
Letzteres würde ich machen.
Post by Sascha Hendrik
Mir ist der praktische Ablauf nicht ganz klar, da ich IMO dann
monatliche Umsatzsteuervoranmeldungen ans FA geben muß (die bei mir ja
immer erst mal 0 Euro sein werden). Macht man so etwas per Software,
schickt man einen Brief, ruft man da an, ...?
Suche mal nach Winston von Felfri. Kosten- und problemlos, sofern
Windows vorhanden.
Post by Sascha Hendrik
Die eigentliche Einnahmen-Überschußrechnung am Jahresende dürfte kein
Problem werden, so das ich auf Steuerberater/Buchhalter gerne verzichten
möchte um nicht unnötige Kosten zu produzieren.
Sollte bei dem Umfang kein Problem sein, etwas tiefer in die Materie
solltest du dich aber einarbeiten. Lohnt sich auf jeden Fall, auch
wenn du später mal einen StB hinzuziehst.

Lutz
--
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Test im IT-Administrator: http://www.messpc.de/MessPC-Testbericht-ITA.pdf
http://www.netzwerkseite.de - die Seite rund um EDV-Netzwerke
Sascha Heinrich
2005-12-11 19:00:16 UTC
Post by Lutz Schulze
Suche mal nach Winston von Felfri. Kosten- und problemlos, sofern
Windows vorhanden.
Habe das Programm gefunden und frage mich:
Kann es wirklich so einfach sein ...?
Bei unserem Steuerrecht kann ich nicht glauben, das ich dem FA einfach 2
Zahlen übermittle und dann wird mir die gezahlte MwSt. erstattet, ich
würde hier mindestens 3 dicht beschriebene Antragsseiten, Kopien aller
Rechnungen und beglaubigte Lebensläufe aller Verwandten erwarten :-)
Arbeitest du mit diesem Programm ?

Gruß
Sascha
Sascha Hendrik
2005-12-11 19:04:19 UTC
Post by Lutz Schulze
Suche mal nach Winston von Felfri. Kosten- und problemlos, sofern
Windows vorhanden.
Habe das Programm gefunden und frage mich:
Kann es wirklich so einfach sein ...?
Bei unserem Steuerrecht kann ich nicht glauben, das ich dem FA einfach 2
Zahlen übermittle und dann wird mir die gezahlte MwSt. erstattet, ich
würde hier mindestens 3 dicht beschriebene Antragsseiten, Kopien aller
Rechnungen und beglaubigte Lebensläufe aller Verwandten erwarten :-)
Arbeitest du mit diesem Programm ?

Gruß
Sascha
Hans-Peter Popowski
2005-12-11 19:16:55 UTC
"Lutz Schulze" schrieb im Newsbeitrag news:***@4ax.com...

Hallo Lutz,
Post by Lutz Schulze
Post by Sascha Hendrik
Es stellt sich mir jetzt noch die Frage, ob ich als Kleinunternehmer
arbeite und auf den Vorsteuerabzug verzichte, oder ob es sich lohnt den
Mehraufwand zu betreiben (Bei 5000 Euro Anfangsinvestition stecken hier
immerhin schon 800 Euro Mehrwertsteuer drin).
Letzteres würde ich machen.
könnte mir vorstellen, dass es einige debsler gibt, die den immensen
Mehraufwand der USt-Erklärungen im Gegenzug der zu erstattenden VSt
übernehmen würden, für Sascha bliebe ja dann noch der dadurch viel geringere
betriebliche Verlust. <bg>
Post by Lutz Schulze
Post by Sascha Hendrik
Mir ist der praktische Ablauf nicht ganz klar, da ich IMO dann
monatliche Umsatzsteuervoranmeldungen ans FA geben muß (die bei mir ja
immer erst mal 0 Euro sein werden). Macht man so etwas per Software,
schickt man einen Brief, ruft man da an, ...?
Suche mal nach Winston von Felfri. Kosten- und problemlos, sofern
Windows vorhanden.
Hmm, die paar Zahlen kann man auch händisch ins Formular eintragen, aber
nur, wenn man keine elektronische UStVA abzugeben in der Lage ist, aus
welchen Gründen auch immer. ;-))
Post by Lutz Schulze
Post by Sascha Hendrik
Die eigentliche Einnahmen-Überschußrechnung am Jahresende dürfte kein
Problem werden, so das ich auf Steuerberater/Buchhalter gerne verzichten
möchte um nicht unnötige Kosten zu produzieren.
Sollte bei dem Umfang kein Problem sein, etwas tiefer in die Materie
solltest du dich aber einarbeiten. Lohnt sich auf jeden Fall, auch
wenn du später mal einen StB hinzuziehst.
Schon mal ein Begleitschreiben eines StB für die Steuererklärungen seiner
Mandanten ans FA gelesen?

Mit freundlichen Grüßen
Hans-Peter

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